Die 41-%-Differenz
Wir haben dieselbe modernisierte Oracle Forms Arbeitslast — 280 Formulare, 1,2 TB Datenbank, 600 gleichzeitige Benutzer, drei Umgebungen — im Februar 2026 auf AWS, Azure und Google Cloud durchgerechnet. Die jährlichen Betriebskosten lagen zwischen 184.000 USD bei der günstigsten Konfiguration und 311.000 USD bei der teuersten. Das ist eine Differenz von 41 % für dieselbe Anwendung.
Die Hyperscaler-Entscheidung wird selten allein nach Kosten getroffen, aber der Kostenunterschied ist groß genug, um relevant zu sein.
Was die Arbeitslast tatsächlich braucht
Eine modernisierte Oracle Forms Anwendung hat vier Kostentreiber: Compute für die Anwendungsschicht, Datenbank (Oracle, PostgreSQL oder verwaltetes Äquivalent), Speicher und Backup sowie Egress. Egress ist die Position, die die meisten Teams überrascht.
Für ein typisches mittelständisches Deployment entfallen 25 bis 35 % auf Compute, 40 bis 55 % auf die Datenbank, 8 bis 12 % auf Speicher und 5 bis 15 % auf Egress. Die relativen Anteile verschieben sich je nach Architekturentscheidungen während der Migration.
AWS: Die Datenbankfrage dominiert
Bei AWS ist die dominierende Kostenentscheidung, ob man Oracle Database beibehält oder auf Aurora PostgreSQL wechselt. RDS für Oracle auf einem db.r6i.2xlarge mit License-Included-Preismodell kostet ungefähr 4.200 USD pro Monat für die Instanz — vor Speicher und IOPS. Dieselbe Arbeitslast auf Aurora PostgreSQL Serverless v2 landet typischerweise bei 1.400 bis 1.900 USD pro Monat.
Der Haken bei RDS für Oracle: License Included ist nur für Standard Edition 2 verfügbar. Enterprise Edition erfordert Bring Your Own License, was bedeutet, dass der bestehende Oracle-Vertrag weiter gilt.
Azure: Die Oracle-Partnerschaft zählt
Azures Beziehung zu Oracle ist die engste der drei Hyperscaler. Oracle Database@Azure platziert echte Oracle-Exadata-Hardware in Azure-Regionen, abgerechnet über den Azure Marketplace. Für Unternehmen mit bestehenden Oracle-Verpflichtungen ist dies der reibungsärmste Weg.
Die Compute-Preise von Azure sind bei Allzweck-Workloads weitgehend mit AWS vergleichbar. Der Differenzierungsfaktor ist Lizenzportabilität — Azure Hybrid Benefit ermöglicht es Unternehmen, bestehende Windows-Server- und SQL-Server-Lizenzen anzurechnen, was relevant ist, wenn der Migrations-Zielstack .NET-Komponenten enthält.
Für reine Oracle Forms-zu-TypeScript-Migrationen ist der Azure-Kostenvorteil geringer. Für Mixed-Stack-Umgebungen ist er erheblich.
Google Cloud: Der Preis-Leistungs-Sieger
Google Cloud war in unserer Test-Arbeitslast der günstigste der drei, hauptsächlich wegen zwei Faktoren: AlloyDB-für-PostgreSQL-Preise und automatisch geltende Sustained-Use-Rabatte. AlloyDB lieferte die Test-Arbeitslast bei ungefähr 1.150 USD pro Monat — der niedrigste Wert unter den vergleichbaren verwalteten PostgreSQL-Diensten.
Der Kompromiss ist die Ökosystemreife. Enterprise-Beschaffung, Compliance-Zertifizierungen und regionale Abdeckung sind auf GCP noch enger als auf AWS oder Azure. Besonders für europäische regulierte Branchen ist die regionale Frage relevant.
Egress ist die Falle
Jeder Hyperscaler berechnet Gebühren für Daten, die die Cloud verlassen. Egress-Kosten liegen typischerweise bei 0,08 bis 0,12 USD pro GB nach dem ersten GB. Eine modernisierte Oracle Forms Anwendung, die REST APIs für mobile Clients, Partnerintegrationen und Reporting-Tools bereitstellt, kann leicht 10 TB pro Monat bewegen — das sind 800 bis 1.200 USD zusätzlich auf der monatlichen Rechnung.
Egress ist auch die am schwierigsten zum Designzeitpunkt prognostizierbare Kostenposition. Wir empfehlen, den Worst-Case-Egress mit dem 3-fachen der erwarteten Baseline zu modellieren.
Reservierte Kapazität verändert die Rechnung
Alle drei Hyperscaler bieten signifikante Rabatte für Ein- und Drei-Jahres-Verpflichtungen. Für Oracle Forms Migrations-Workloads — die typischerweise stabil, vorhersehbar und langlebig sind — ist reservierte Preisgestaltung der richtige Standard. Die Rabatte reichen von 30 bis 65 % je nach Verpflichtungszeitraum und Zahlungsstruktur.
Migrationen, die in den ersten 12 Monaten mit On-Demand-Preisen laufen, zahlen ungefähr 40 % zu viel. Die Reservierung sollte von Anfang an im Budget eingeplant werden, nicht nachträglich ergänzt.
Das Fazit
Der günstigste Hyperscaler für Oracle Forms Modernisierung 2026 ist derjenige, bei dem der Datenbank-Lizenzausstieg am saubersten gelingt. Für die meisten Unternehmen ist das GCP mit AlloyDB oder AWS mit Aurora PostgreSQL. Azure gewinnt, wenn ein bestehender Oracle-Bestand über Database@Azure ohne Re-Platforming migriert werden kann.